BOGEN-TEST-BERICHTE:

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen eigene Testergebnisse und die von erfahrenen FALKENHOLZ-Schützen vor! Für die Inhalte und deren Richtigkeit übernehmen keine Haftung!

 

1. FALKENHOLZ -Bogendesign: PRG02RaptorTB (Autor: Thomas Brugger)

Auf Basis ihres Peregrine 02 fertigte Falkenholz-Bogendesign einen Take-down Recurve Custom-Bogen für mich an.

  • Getreu ihres Mottos Raubvogelnamen für ihre Bögen zu verwenden und dem Umstand Rechnung getragen, dass dieser Bogen dann doch etwas heftiger werden sollte, steht für den Namen der „Raubvogel“ an und für sich mit lateinischer Bezeichnung Pate: „Raptor“.
  • Synonym für die Personalisierung, also Anfertigung auf meinen Griff, werden die Initialen des Bogenbesitzers hinzugefügt: „TB“

TB Bogen 4

Datenblatt:

  • Bogenlänge: 64,5 Zoll / 164cm
  • Garantie: 5 Jahre
  • Allgemein: – Fastflight tauglich, – Kein Mindestpfeilgewicht vorgegeben
  • Bogengewicht: – 1510g – ohne Bogenköcher, – 1752g – mit Bogenköcher, – 1870g – mit Bogenköcher und 5 Pfeilen
  • Mittelteil: – Zirikote mit Doppelstreifen Micarta zur Stabilisierung, – 3-lagiges Zierfurnier vor und nach dem Micarta, – Deflex, -Griff: Personalisiert mit Fingerausbuchtungen, – Länge: 19,3Zoll / 49cm
  • Wurfarme: – Bambuskern mit Zirikotefurnier und Hochleistungsfinish, – Verstärkung mit unidirektionalem Carbon, – Befestigung: Zentralschraube axial + zwei Arretierungsstifte / Edelstahl, – Targetseite: Gespiegeltes Zirikote Furnier mit Splint, – Schützenseite: Gespiegeltes Zirikote Furnier ohne Splint, – Tips: Micarta mit mehrlagigem Furnieraufbau
  • Zuggewicht: 56lbs bei 28Zoll (Persönlich – 63lbs bei 31.5Zoll)
  • Lineare Dynamik*: Keine Abweichung

26 Zoll -> 52lbs

27“+2lbs

28“+2lbs

29“+2lbs

30“+2lbs

31“+2lbs

32Zoll ->64lbs

  • Standhöhe: 7,67 Zoll / 19,5cm
  • Nockpunkt: 10mm
  • Sehne: 18Strang Fast flight, 3fach gespleißt, Sehnengeräuschdämpfer Nerz

* Die Lineare Dynamik vermittelt die Gleichmäßigkeit des Zugverhaltens.

Bogen wird eingespannt und der jeweilige Auszug arretiert.

Zuggewicht wird ermittelt entsprechend der Auszugslänge über den Bereich 26“ bis 32“.

An einer unverhältnismäßigen Steigerung sieht man die Grenze der Dynamik und somit auch eine unverhältnismäßige Belastung des Bogens.

Testergebnis:

Performance

Der Bogen wird einer Geschwindigkeitsmessung über den Auszugsbereich 28“ bis 32“ unterzogen.

  • 3fach Mittelwertmessung à Abweichung max. 2fps.
  • Definierter Ankerpunkt
  • Anker
  • Mediterraner Ablass
  • Lösevorgang: Statisch am Ankerpunkt gerade nach hinten/oben.

Pfeilkonfiguration

Easton Flatline Spine 340 – 80Grain Spitzengewicht

Nijora Tokala Spine 400 – 100Grain Spitzengewicht

Geschwindigkeit

Umrechnung auf km/h: 10% zu dem fps-Wert addieren.

200fps=220km/h, 250fps=275km/h

Beide Pfeile erreichen in etwa die gleiche Geschwindigkeit – wiegen beide 24 Gramm

28Zoll Auszug­­ -> 215fps

29Zoll Auszug -> 225fps

30Zoll Auszug -> 235fps

31Zoll Auszug -> 245fps

32Zoll Auszug -> 255ps

TOP-WERTE…..Respekt.

Mein Standardbogen:

Black Widow TD PSA X mit 70lbs bei 31.5Zoll

erreicht in etwa die gleichen Werte. Dies aber mit einem 10Lbs höherem Zuggewicht UND deutlich unkomfortablerem Zugverhalten!

Trefferlage nach Eingewöhnung und ca. 500Schuß

10m 6 Pfeile 4cm Durchmesser

20m 6 Pfeile 6cm Durchmesser

30m 6 Pfeile 12cm Durchmesser

40m 6 Pfeile 40cm Durchmesser

50m 6 Pfeile 60cm Durchmesser

Allgemeine Trefferlage

Ausreißer nach rechts und links sind zu 100% auf Lösefehler zurückzuführen.

Auf 60m konnten verschieden schwere Pfeile auf einem vertikalen Linienbereich von 20cm positioniert werden.

Auf 10m ist punktgenaues Schießen sofort und leicht erreichbar.

Höhenausreißer sind nach wie vor durch instinktives Schießen bedingt.

Mit angepasstem Spitzensystem könnte dies zu eliminieren sein.

Das wird natürlich etwas dauern.

Robustheit

Durch meinen persönlich schmalen Griff wurde das Mittelteil unter der Pfeilauflage auf einen kärglichen Rest von 3 cm Breite und 2.5cm Tiefe verschmälert.

Daher ist mit Verstärkungen (Micarta) gearbeitet worden, was den Bogen natürlich haltbarer aber auch teurer macht.

Nach Aussage von Bogenkollegen sollte dies dennoch zu einem üblen und baldigen Bruch führen.

Ich jedoch bin nun – nach 6 Wochen und gut ca. 3000 absolvierten Schüssen –  recht überzeugt davon, dass ich noch viele weitere Geschichten von gebrochenen Bögen anderer Hersteller hören werde.

Dies jedoch, ohne dass sich meine Bögen – sowohl Widow (die schon nach 2Monaten einen ordentlichen Haarriss im Mittelteil hatte – aber natürlich locker weiter, inzw. 3.5Jahre, aushält), als auch Falkenholz eine Blöße geben werden.

Durch die perfekte lineare Dynamik des Bogens ist die gleichmäßige Wurfarmbelastung ebenso gewährleistet, wie ein benutzerschonender Zug- und Lösevorgang!

Wer Probleme mit seiner Schulter hat, oder bekommt, wird wissen was ich meine.

Probiert es bei anderen/euren Bögen mal aus…ich bin bei meiner ersten Widow mit 70lbs auf 30 Zoll erschrocken. Diese ist gut linear von 26“ bis 30“ … aber zeigt dann bei 32Zoll Vollauszug 80lbs…was kaum noch witzig ist…und mich zum Kauf von neuen angepassten Wurfarmen nötigte.

Zukünftig würde ich mir immer einen Bogen holen, welcher auf einen weiteren Auszug gebaut wurde als mein Persönlicher – dafür gerne ein bisschen Zuggewicht bei dem weiteren Auszug mehr machen lassen.

z.B.:

Gewünschte Werte:   40lbs auf 29Zoll Auszug,

Bauen lassen:             45lbs auf 31Zoll Auszug.

Handschock

Durch das doch recht hohe Eigengewicht des Bogens – und dem personalisierten Griff -konnte nicht wirklich eine Einwirkung auf mich als Schütze festgestellt werden.

Zudem der Handschock durch das „weiche“ Zugverhalten und die schiere Länge des 64,5 Zoll Bogens heruntergesetzt wird.

Bogenruhe

Durch die Anpassung auf meinen schmalen Griff, ist nur noch ein kleiner Unterschied zu meinem Standardbogen zu bemerken. Dieser liegt dennoch etwas ruhiger und schwerer – was aber nicht verwundert, durch die jahrelange Gewöhnung daran.

Allgemein würde ich immer empfehlen, den Bogengriff individuell etwas anpassen zu lassen!

Am besten natürlich vom Bogenbauer als Custom-Bogen – oder auch bei günstigeren Modellen hinterher selbst – oder von handwerklich Geschickteren (dem freundlichen Bogenbauer in der Nähe eben).

Ein Aufwand, welcher sich alleine schon vom „Wohlfühlfaktor“ im Schuss her lohnt.

Weniger Ablassfehler – bessere Trefferlage.

Achtung: Eine bestehende Garantie bei eigener Veränderung des Griffstückes ist natürlich rechtlich schwer haltbar!

Nach Lösen des Pfeiles steht der Bogen weiter gut in Zielausgangshöhe – in Verbindung mit der extremen Pfeilgeschwindigkeit ist somit ein starkes Unterschießen eigentlich nur bei extremem Fallenlassen des Bogens, absichtlich, Unkonzentriertheit, oder falscher Einschätzung des Targets möglich.

Geräuschentwicklung

Diesem Punkt messe ich eigentlich keinerlei Bedeutung bei.

Wer schon einmal neben mir stand; und den Ablass meiner Widow hörte, weiß warum.

Ich halte Bogenschießen für eine martialische Sportart.

Der „Schuss“ darf somit gerne laut sein…MUSS schnell sein, hinten einschlagen und alles zerstören…bei einem Fehlschuss notfalls auch den Pfeil selbst. Auf „erschrecken des Wildes“ – was ich als Argument schon gehört habe –  muss ich keine Rücksicht nehmen, da ich niemals auf echte Tiere schießen würde.

Ich hatte bei den ersten Schüssen mit dem Bogen spontan das Gefühl, dass dieses komische „Schnurren“ echt so nicht in Ordnung ist und irgendwas nicht stimmt.

Dies ist natürlich auch den Sehnengeräuschdämpfern („Schmusepuschels“) geschuldet …ok…wers mag…

Der Bogen macht nur sachte: Fumbfff…und nicht: Ka-bääng!

Jo-gut.

Preis/Leistung

Inzwischen sind die Preise aller guten Bogenbauer für Bögen in der Oberklasse auf gleichem Level.

Dies ist absolut ok so; und der investierten Arbeit, der Verarbeitung und Individualität der Bögen geschuldet.

Verglichen mit Bögen von der Stange (z.B. Border, Black-Widow, Martin Archery, Great Plains, Bear usw.) kann man die deutschen Pretiosen sogar noch als „günstig“ einschätzen.

Hier wird bei der Anpassung auf den Kunden tatsächlich wirklich noch Hand angelegt und nicht nur verschiedene Griff-Formate CNC gefräst…wenn überhaupt (Martin Archery, Bear).

Die obligatorische persönliche Auswahl an Hölzern und Zuggewicht kann man nur teilweise als „personalisierten Custom-Bogen“ bezeichnen (Border, Great Plains, Black Widow).

Bis Einfuhrzoll und Versand bei ausländischen Modellen hinzugerechnet ist, liegt man bei den einheimischen Herstellern dann meist deutlich günstiger.

Die Garantie von Falkenholz macht des Weiteren eine Investition in einen Oberklasse-Bogen deutlich sicherer.

Ein Mindestpfeilgewicht schreibt Falkenholz dabei nicht vor, was aber dennoch nicht dazu verleiten sollte „Leerschüsse“ zu machen!

Ein Pfeil muss immer aufliegen, Gewichts/Spine-angepasst sein, geradeaus fliegen und reproduzierbar treffen…irgendwie ist dies ja auch der Sinn des Ganzen.

Kritik

Tja, da heißt es Krümel suchen.

  • Persönlicher Geschmack ist nicht objektiv, aber für mich könnte der Bogen noch ein wenig martialischer aussehen.
  • Die niedrige Standhöhe kann bei Ablassfehlern leichter zu Fehlschüssen führen.
  • Der Bogen könnte für mich insg. noch etwas schwerer sein.
  • Ein Bogenköcher ist für mich ein Muss.

Alles in allem Kleinigkeiten – und nichts, was nicht individuell änderbar ist.

Lob

Das riesige Plus der Bauart des Bogens ist die riesige Spannbreite von möglichem Pfeilmaterial!!!

Das richtige Spitzengewicht in den Schaft….schon fliegt der Pfeil reproduzierbar geradeaus!

Dass ich mit dieser Pfundzahl (63lbs) sowohl 500er Spine Vollcarbon als auch 300er Spine Full metal jacket (also Pfeile, geeignet für Bögen von 35lbs bis 90lbs) OHNE nennenswerten Versatz schießen konnte, finde ich erstaunlich und habe ich bisher bei keinem Bogen erlebt.

Bei meinem Standardbogen Black Widow musste ich 10 verschiedene Schäfte testen – dies mit verschiedenen Spitzen und Federkonfigurationen – bis einer reproduzierbar flog.

Bei diesem Bogen kann man selbst die Entscheidung treffen:

  • Leichtere (niedrigerer Spine) Pfeile, welche dann schneller fliegen aber empfindlicher gegenüber Ablassfehlern sind und natürlich deutlich schneller brechen.
  • Schwerere (höherer Spine) Pfeile, welche fehlerverzeihender sind und Fehlschüsse unbeschadet überstehen können.

Hier liegt für mich die Wahrheit in einem stabileren Pfeil mit leichterer Spitze.

So etwas kann durchaus Geld sparen.

  • Die Verarbeitung des Bogens ist nicht nur optisch sehr gut, sondern hat auch meinen 6wöchigen Härtetest mit Bravur überstanden.
  • Der Bogen liegt ruhig und perfekt in der Hand.

Er ist ausreichend schwer, um leichtere Ablassfehler zu verzeihen und keinen Handschock zu generieren.

  • Ein gleichmäßiges und angenehmes Zugverhalten kann ich wohlwollend bescheinigen, was ich bis dato so auch noch nicht hatte – zumindest in diesem Pfundbereich.

Add on:

Der Vorteil eines deutschen Bogenbauers liegt auf der Hand:

  • Sowohl die Nähe, als auch die fehlende sprachliche Barriere macht alles einfacher
  • Die zusätzliche Garantie von Falkenholz auf seine Bögen spricht ein Übriges

und dies

  • OHNE Vorgabe eines Mindestpfeilgewichtes.

Des Weiteren brauchen einige deutsche Bogenbaumeister inzwischen den internationalen Vergleich in keinster Weise zu scheuen.

Was viele internationale Marken mit Renommee vorgeben, wird in Deutschland inzwischen LOCKER durch Qualität, Performance und Kundenähe überflügelt.

Dies gilt als allgemeines Lob für viele deutsche Bogenbauer – bei welchen ich immer schönere, präzisere, robustere und innovativere Bögen sehe!

Persönliches Fazit

Als Widow – Fan (was ich auch weiter noch zusätzlich sein werde) habe ich es mir und dem Falkenholz-Raptor wahrlich nicht leicht gemacht; und bin eher skeptisch an den Test herangegangen.

Nach vielen positiven neuen Erfahrungen muss man jedoch auch zu einer objektiven Meinungsänderung fähig sein.

Ich bin mit dem Bogen auf Anhieb hervorragend zurechtgekommen; und konnte im Vergleich mit meinem Standardbogen, rein intuitiv, schon Punktezahlen erreichen, welche ich nicht erwartet habe.

Die enorme Pfeilgeschwindigkeit und mögliche Genauigkeit nötigte mir echten Respekt ab.

Mit der notwendigen Ausdauer im Ablauf und optimiertem Training bin ich gespannt, was ich mit diesem Bogen auf meiner Vergleichs-Trainingsrunde in der Lage bin zu schießen.

Dies wird natürlich aber etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Durch den für mich „weichen“ Auszug und gemütlich-lockeren Ankerstand sollte ein optimierter Lösevorgang schnell zu erreichen sein.

Genau das ist die Grundvoraussetzung eines standardisierten Schussablaufes, was insgesamt zu einer konstant guten Trefferlage führt.

Allgemein:

Es ist IMMER lohnend, Mühe in den optimierten Schussablauf zu stecken

-dem Lösevorgang- insbesondere!

Somit kann eine Targetpanik vermieden, abgemildert und – mit etwas Hilfe – auch wieder beseitigt werden.

Notfalls fragt mich…ich helfe gerne.

Ich würde niemals einen Schützen in seiner bestehenden Auswahl des Equipments, oder seine Leistung beim Schießen kritisieren, wenn er damit zufrieden ist.

Frage ist, was man erreichen will; und wieviel man bereit ist dafür zu investieren – an Zeit, Training und Geld – bis sich der gewünschte Wohlfühllevel einstellt.

Verbessern kann sich jeder – ich als Erster.

UND

Jeder der trifft – egal wie – HAT RECHT.

Ergo

  • Bogenschießen kann man recht günstig ausüben und dies mit viel Spaß und Erfolg.
  • Mit einem Bogen dieser Qualitäts- und Performancestufe kann es sehr leicht zu einer verzehrenden Leidenschaft werden.

Beware!

Alles Gute, allen viel Spaß bei unserem Sport und viel Erfolg.

Thomas Brugger

TB Bogen 1

TB Bogen 2

TB Bogen 3

Schauen Sie sich, passend zu diesem Testbericht, doch auch das entsprechende Video an! KLICK!